Interviews und Auszüge vom Konzert in der Harmonie Bonn vom 8. Dezember 2010
Radio WDR 3, Sonntag, 30.1.2011, 16.05-17.45 Uhr
WDR präsentiert das Jamboree
22. Dezember 2010The End is Near!
22. Dezember 2010CH-Schaffhausen Kammgarn
Langsam machte sich Melancholie breit, kaum jemand hatte ein Ende der Tour überhaupt für möglich gehalten, und doch geistert der Gedanke “nur noch zwei Shows!” durch den Bus. Der Morgen begann mit Eiseskälte und endlich mal wieder einigen Sonnenstrahlen. Kaum hatten wir die Grenze zur Schweiz überschritten war auch schon Frau Holle eingetroffen und ging mit dem dichtesten Schneefall der ganzen Tour ans Werk. Es reichte mal wieder gerade so zum Check-In am Hotel und dann wieder ab ins wunderschöne Schaffhauser Kulturzentrum Kammgarn zum Soundcheck. Alles lief wie von Veranstalter Roli Fricker gewohnt reibungslos ab. Mitunterstützer Franz Elsener vom Musikhaus Saitensprung servierte die kalten Snacks und im gemütlichen Backstage Bereich gab es später ein gemeinsames Abendessen am großen Tisch. Überraschenderweise schlug Michael Cleveland beim Salat zu! Die Show lief prima, leider hatte auch hier das Wetter einige vom Besuch abgehalten, enttäuschend allerdings die Präsenz der mitveranstaltenden Swiss Bluegrass Music Association. Ob man Band-Probe hatte? Erstaunlich, dass eine Sensation wie Michael Cleveland nicht ausreicht die Bluegrass Szene zu aktivieren.
Offenburg Reithalle
Lange Fahrt, aber dennoch Zeit genug dem Weihnachtsmarkt einen schnellen Besuch abzustatten, es war die letzte Möglichkeit Geschenke einzukaufen. Und dann ging es schnell: Kaffe/Tee/Brötchen in der Halle, Soundcheck, Abendessen (wieder für alle am großen Tisch…hmmm), und schon stand die lokale Vorband “Blue Side of Town” im Foyer und begrüßte die Gäste mit Bluegrass Klängen. Veranstalter Edgar Common öffnete pünktlich die Tür und die letzte Show nahm ihren Lauf. Alle drehten nochmal gehörig auf und genossen die Session Zugaben. Ein gemeinsames Abschlussbild wurde zuwege gebracht und Michael Cleveland bestieg in bester Laune einen Motorroller. Mal gespannt, was die Amerikaner daheim zu solchem per Bild dokumentiertem Treiben sagen werden. Die Hotelbar hatte sich bereits auf die Abschiedsparty eingestellt und es wurde ein letztes Mal sehr spät. Alle Beteiligten waren glücklich über die tolle Tournee, die neben vielen neuen und alten Fans auch Freundschaften unter den Musikern hervorbrachte. Am Sonntag Morgen verließ der Bus dann um 4 Uhr morgens mit Lunch Paketen versehen das Hotel Richtung Flughafen Frankfurt, und ein kurzes unproblematisches Zeitfenster am ansonsten wintergebeutelten Flughafen erlaubte allen wieder zurück nach USA zu fliegen.

Bluegrass Jamboree Tour 2010

Mike on the Bike
Snowgrass
17. Dezember 2010Waldkraiburg Kulturhaus
Nichts zu machen, wir geben es zu: wo wir sind ist auch der Schnee! Prag verließen wir nach opulentem Frühstück vorsorglich schon um 8 Uhr, mittlerweile hat sich das Schlafen im Bus durchgesetzt (außer bei Dieter Fassbender am Lenkrad). Waldkraiburg in Bayrern erreichten wir praktisch auf Kufen nach über siebenstündiger Fahrt, Staus und Unfälle blieben unserer Strecke wenigstens erspart, aber es reichte nur zum schnellen Hotel Check-In und ab ging es in die Halle, das übliche Procedere eben. Veranstalter Hansjörg Malonek ist ein großer Unterstützer der Musik und des Jamborees und hat mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen im Kulturhaus ein interessiertes und kenntnisreiches Publikum herangezogen. Normalerweise kommen die Fans auch aus größerer Entfernung zu den Konzerten, wegen massiver Glättegefahr mussten doch einige absagen. Die Restauration des Hauses bekochte uns bestens und auch einen kleines TV Interview des örtlichen Medienpartners Regionalfernsehen Oberbayern konnten wir noch unterbringen. Sendetermin und Link werden hier bald zu finden sein. Die Stimmung im schönen Saal war von Anfang an bestens und Michael Cleveland schwang sich angetrieben vom Publikum zu besonders wildem Spiel auf. Dank großer Spielfreude aller Beteiligten war es die längste Show seit langem.

Drei Stimmen
Heidenheim Lokschuppen
Zur Abwechslung begleitete uns die Sonne auf dem Weg nach Schwaben! Aber die Unwetterwarnung für den Kreis Heidenheim war schon im Internet zu lesen. Das Bluegrass Jamboree Mobilbüro im Bus ist ja bestens ausgestattet mit iPhone, und Laptop, Staumeldungen, Wetterberichte, Anfahrtskarten, Wechselkurse, Facebook, Twitter bis hin zum Jamboree Blog sind somit kein großes Problem.
Die Ankunft in Heidenheim war hektischer als sonst: Der Bus konnte sich in der kurvigen, von Schneehaufen umsäumten Straße kaum bewegen und ein Parkplatz war nicht zu finden, dank Veranstalterin Martina Taubenberger konnte das Problem per Minibus bald gelöst werden. Gleichzeitig hatte Marshall Wilborn im Abfahrtstrubel einen Koffer in Waldkraiburg stehen lassen, aber auch da fand sich dank kreativem Einsatz von Soundman Werner Schütte eine gute Lösung. Marshall wollte ja nicht unbedingt unrasiert und in Reisekleidung auf die Bühne steigen. Der Lokschuppen im Gartenschaugelände an der Brenz ist ein interessanter alter Bau, und Backstage gab es bei bester Laune Sessions, Tanzeinlagen, Banjounterricht und gutes Catering vom Wirt des Cafe Swing, der auch zum warmen Essen in sein Lokal einlud. Pünktlich zum Beginn des Abends kam kräftiger Wind mit Schneefall auf, klar dass auch der letzte Optimist sicherheitshalber lieber auf dem Sofa geblieben sein dürfte. Die Halle war dennoch ganz passabel gefüllt und die Begeisterung war beeindruckend. Martina Taubenberger setzte sich schließlich nochmal selbst ans Steuer um Musiker und Crew ins nette Hotel Hirsch zu kutschieren, der Bus musste an der Halle bleiben. Jeff Burkes Geburtstagsumtrunk rundete den Abend lebendig ab.

Das Banjo lässt ihn nicht mehr los
The Big City Dates
15. Dezember 2010Hamburg Stage Club
Alle freuten sich auf Hamburg, entsprechend früh verließen wir Hildesheim um zügig in Hamburg einzutreffen. Das Hotel am Ende der Reeperbahn bot eine gute Ausgangslage für einen kurzen Spaziergang im eisigen Wind. Großstädte sind immer ein wenig schwieriger zu bespielen, das Konkurrenzangebot ist riesig und obwohl genügend Publikum vorhanden ist, scheitert man meist, dieses ohne enormen finanziell Werbeaufwand zu erreichen. Karsten Jahnke als örtlicher Veranstalter war nach dem Jamboree 2009 in der Fabrik diesmal in den eleganten Stage Club umgezogen. Ein umwerfender Backstage Bereich mit romantischer Feuerstelle und erstklassigem Catering machte den Aufenthalt bedeutend gemütlicher als in den meisten der eher praktisch angelegten Künstlergarderoben anderer Hallen. Zum Warmspielen musste man allerdings an den Pfannen und Töpfen der Küche vorbei, aber Essen und Musik gehen ja eh Hand in Hand. Die Show war lebendig und das Publikum wach, ein recht hoher Anteil an Fachpublikum war auffallend, und zum Schluss tanzten sogar einige Mutige während Michael Clevelands Auftritt. Zur Aftershow Party machte sich ein Teil der Gruppe unter Führung von Hamburg Experte Werner Schütte auf ins St. Pauli Nachtleben, der andere Teil genoss einen relaxten Ausklang an der Hotelbar.
Berlin Grüner Salon
Mittlerweile hatte uns der Schnee wieder eingeholt, aber wir kamen doch gut nach Berlin durch, die Temperaturen sanken aber weiter in den Keller und der scharfer kalte Wind war ungenütlich. Unser Tourhotel in Kreuzberg war nah genug für ein wenig Bewegung und Sightseeing, einige gönnten sich ein kurzes intensives Touristen-Pflichtprogramm, andere strandeten beim besten Kebap der Stadt. Der Zeitplan abends war etwas hektisch, es war noch ein kurzfristiger kleiner Live Auftritt von Shotgun Party im Admiralspalaststudio von Radio Eins dazugekommen, mit dem noch etwas Werbung für das Konzert im Grünen Salon der Volksbühne gemacht werden sollte. Der Grüne Salon ist ein charmanter überschaubarer Saal im 20er Jahre Stil, wie der Name schon sagt, Grün herrscht vor. Zum Catering geht es hinab in die Katakomben zur Theaterkantine, und die Künstlergarderobe ist groß genug für drei Leute….die anderen zwölf mussten sich ziemlich hineindrängen. Aber all das ist bei dieser tollen Truppe kein Problem, der Spielfreude tut eigentlich nichts Abbruch. Es war ein bunte Besucherschar, Radiomenschen, Journalisten, Cowboyhut-Träger, Bluegrass Musiker und Music Lover.
Wegen der frühen Abfahrt nach Prag am nächsten Tag war der Bus bald wieder am Hotel, verschlafen haben trotzdem welche…doch wer, das soll den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleiben.
CZ-Prag Kopernik Theater
Der Schnee, unser treuer Begleiter, war auch schon früh auf den Beinen, allerdings nicht besonders freundlich gesinnt. Busfahrer Dieter Fassbender bemühte sich zwar, zügig vor den Schneewolken herzufahren, aber die Schneedecke auf der Straße wurde doch immer dicker. Für die Fahrt nach Prag hatten wir schon viel Zeit eingerechnet, aber es waren dann doch sieben Stunden. Schnee ohne Ende und dann noch die Suche nach der Mautbox, die man an der ersten Raststation holen muss. Vor lauter Schnee merkten wir nicht einmal dass wir schon längst die Grenze überschritten hatten und fanden nur mit Mühe die Station. Immerhin konnte die “Espresso Gang” zu günstigen Preisen ihrer Leidenschaft nachgehen und die ersten probierten die sagenhaften tschechischen Wurstwaren. Ein TV Team mit Tschechiens bekanntestem Moderator wartete schon seit Stunden am Auftrittsort, per Handy gaben wir unsere Position andauernd durch und bei Ankunft wurde Michael Cleveland sofort zum Interview gebeten. Er und Tom Adams werden im Februar im tschechischen TV zu sehen sein. (Der Link zum Archiv wird danach hier zu finden sein) Was danach kam war einfach großartig: Zuerst Sektempfang und dann Soundcheck im Theatersaal des Hotels (ahhh….endlich kein Fahren nach dem Auftritt!). Veranstalterin Iva Loukova hatte eine brilliante Veranstaltung aufgezogen. Unterstützt vom Instrumentenbauer Capek und weiteren Sponsoren präsentierte sie vor ausverkauftem Haus vor über 400 Zuschauern, die zumTeil trotz katastrophaler Schneebedingungen von weither angereist waren, eine tolle Show. Aus Verständnisgründen wurde auf tschechisch moderiert und das Publikum war nach zweimaligem Ahoi! gleich auf Hochtouren und feierte jedes Solo mit Applaus. Absolute Rarität der Tour: “Big Mon” als Mandoduett mit Mike Cleveland an der Mandoline. Er und Jesse Brock, sowie Jessie Baker hatten für dieses Stück auf Instrumente aus der Capek Produktion zurückgegriffen. “Lee Highway Blues”, das letzte Stück im Flamekeeper Set, war wilder denn je, Cleveland war in allerbester Spiellaune. Bei der After Show Party wurden wir mit wirklich erlesenem Abendessen verwöhnt, und konnten den Abend entspannt bei Cocktails ausklingen lassen…



Michael und Tom im tschechischen TV

Wurst in Tschechien

Fans in Prag

Seltenes Mando Duett!
Neue Fotos von unterwegs
13. Dezember 2010Jamboree on Ice
12. Dezember 2010Mittlerweile spricht man im Tourbus schon von der Bluegrass Jamboree on Ice Tournee! Dachten wir 2009 noch, die extremen Schneetage am Ende der Tour wären eine Ausnahme gewesen, erwischt es uns 2010 nun in noch viel stärkerem Ausmaß. Je weiter uns Dieters Frau und Ersatzfahrerin Gerda nördlich auf der Strecke Bonn-Bremen fuhr, desto weißer wurde es. Das Einchecken im Etap Hotel mit seinen Codes und Automaten war ein wenig aufregender als sonst, eine menschliche Rezeption macht doch deutlich mehr Freude. Bei Ankunft auf dem malerischen Gut in Varrel (Stuhr) empfingen uns wie zu erwarten hoher Schnee, heftiges Schneetreiben und extreme Glätte, alles noch eine Stufe drastischer als in Bonn. Erstaunlich, dass doch noch einen schöne Anzahl Gäste, die zum Teil bis aus Hamburg kamen, das vom öffentlichem Nahverkehr abgeschnittene Gut erreichen konnten. Eine Weihnachtsdeko mit etwa acht bis zehn Tannen im Saal war uns bis daher nicht begegnet und wurde von unseren amerikanischen Musikern ehrfurchtsvoll betrachtet. Auffallend war die doch recht große Zahl an Bluegrass Kennern, die dem breit gefächertem Programm mit großer Begeisterung zujubelten. Immer wichtig auf Tour ist das “Catering” der Musiker und der Crew, also die Verpflegung während er Anwesenheit. Da kann es himmelweite Unterschiede geben! Veranstalter Edgar Wöltje hatte jedenfalls bestens für alle gesorgt und ein exzellentes Abendessen bereitgestellt, das die Künstler mit einer energievollen Performance beantworteten.

Weihnachtlich in Stuhr

Can this be used for punk rock?
Nach einem eher minimalistischen Frühstück musste noch ein Shopping-Stop her, Rasierapparat, Schokoladentafeln, Getränke…all das was es auf einem Weihnachtsmarkt nicht gibt. Wir wollten früh in Hildesheim sein, denn der örtliche Weihnachtsmarkt ist direkt am Hotel, zudem war die erprobte Bluegrass Jamboree Street Team Leiterin Elke Meyer schon bereit, die Truppe zu empfangen. Bis Hildesheim begleitete uns nur herrlicher blauer Himmel, die Erinnerungen an das dortige Schneechaos 2009 war schnell vergessen. Elke führte fachkundig an den Glühweinbuden vorbei zur besten Bratwurst, zum leckersten Cafe der Tour ins Eis-Cafe Venezia und zu weiteren örtlichen Shopping Highlights. Der Auftrittsort, die Kulturfabrik Löseke mit ihrem alten industriellen Backstein Charme, bietet eine etwas andere, alternativere Bühne als die meisten der bisherigen Kulturhallen. Veranstalter Stefan Könneke und sein Team (danke Nicken fürs Essen!) hatten gut vorbereitet und ab 19 Uhr eröffneten Ulrike und Udo, die Musiker des Duos “Two U”, das Jamboree mit einem gelungenen Vorprogramm. Das Publikum war bunt gemischt, Journalisten (u.a. “No Fences”, ein Magazin das unsere Tournee unterstützt), Radio- Leute (die legendäre “Okerwelle”!) und Fans, die zum Teil bis aus Kassel angereist waren. Die Begeisterung war groß, und nur mit Mühe konnte man den small talk am CD Stand in der Pause unterbrechen, alle wollten mit den Künstlern reden und vor allem Shotgun Party weitere Deutschkenntnisse vermitteln. Es war übrigens die erste Show, bei der eine Nebelmaschine zum Einsatz kam – nicht alle Musiker waren total begeistert davon, nur Shotgun Party nutzten das gleich aus und spielten einen bisher nicht gehörten schrägeren Pop Song im Nebelgewaber.

Jazztime in Hildesheim
Die unrühmliche Geschichte des nächtlichen Busparkplatzes am Hotel erfuhr nach 2009 eine fast deckungsgleiche Neuauflage. Wieder waren die reservierten Plätze belegt, der Bus durfte nach Ankunft am Hotel wegen Ruhzeitenregelung nicht mehr bewegt werden und musste im absolute Halteverbot stehen bleiben. Hildesheimerin Elke wusste was zu tun war, allerdings waren den Polizisten noch ein Gauner ins Netz gegangen und wir mussten ewig auf ihren Einsatz warten und frieren. Alles kam zu einem akzeptablen Ende und dank einer nicht müden Wirtin konnten wir den Abend mit Elke und Ute bei einigen schönen Getränken abschließen und dem Street Team Hildesheim noch einmal für den unermüdlichen Einsatz in Sachen Bluegrass danken. Wenn wir nur überall solche Unterstützer hätten.
Am nächsten Morgen hieß es früh los, der weite Weg über den Harz Richtung Lutherstadt Eisleben stand an.

Schnee...Schnee...Schnee
Jamboree Tour Fotos
10. Dezember 2010…von unterwegs ein paar Eindrücke auf flickr
Schon wieder Schnee
09. Dezember 2010Es ist wirklich nicht zu fassen, wo immer der Jamboree-Tourbus auftaucht verwandeln sich die Straßen in Rutschbahnen, vor allem Abends kurz vor dem Konzert. Bewundernswert, dass die zahlreichen im Vorverkauf erworbenen Karten trotz hohen Blechschadenrisikos eingelöst wurden. So geschehen in Bonn, wo wir zum zweiten Mal in der Harmonie, einem der schönsten Clubs des Landes, gastieren konnten. Kaum zwei Stunden vor der Show stellten die örtlichen Busfahrer wegen massiven Schneefalls ihre Fahrten ein, Taxis waren keine mehr zu bekommen und Fußgänger/Radfahrer waren höchst sturzgefährdet. Veranstalter Wolfgang Koll vermutete, er müsse die Abendkasse wohl gar nicht erst öffnen, war aber doch sehr überrascht dass fast 30 weitere Mutige allen Widrigkeiten getrotzt hatten. Der gut gefüllte Club mit sehr lebendigem und erwartungsvollem Publikum gab eine gute Kulisse für den WDR Mitschnitt ab (Sendetermin demnächst hier). Wie immer genossen die Musiker die “Rock’n'Roll” Atmosphäre der Harmonie und das exzellente Catering. Beim Einchecken ins Ibis Hotel (besser nicht wenn man lange Beine hat) begleitete uns ein wenig auf Musiker Ohren Rücksicht nehmender Presslufthammerführer. Michael Cleveland nahms mit Humor und sein absolutes Gehör identifizierte den Hammerton als wenig Bluegrass-übliches Es Dur…ach ja, und an der Hotelbar lief die Kölsch-Zapfsäule auf Hochtouren.

Die Bilder die nicht im Netz erscheinen werden
Bluegrass in der Schule
08. Dezember 2010Die Münchener Nacht war kaum vorbei, da saßen wir schon wieder im Bus. Niemand war traurig, der Schnee eh geschmolzen und Regen, Regen, Regen…es musste einfach weitergehen. Das US-Konsulat hatte einen kleinen Workshop in einem Augsburger Gymnasium arrangiert, 40 neugierige Schüler (alles Musiker aus den Schulorchestern) samt Rektor und Musiklehrerin) füllten den Musiksaal. Wohl jeder Anwesende hörte zum ersten Mal Bluegrass. Die Musiker plauderten munter darüber, wie eine Bluegrass Band, ein Duett und Western Swing funktionieren und gaben kleine Kostproben. Ganz Mutige wagten auch nachzufragen, am nettesten ganz klar die Frage “…wart ihr schon auf MTV?” Alle hatten viel Spaß und am Ende der Stunde (als die Lehrer-Schüler Situation vorbei war) wurden die Schüler mutiger und wollten noch viel mehr wissen, zudem musste jedes noch so kleine Stück Papier mit Autogrammen verziert werden. Ein Mittagsmahl in der Schulküche rundete die schöne Begegnung ab.

Und...wart ihr schon auf MTV?
Der Abend führte uns in eine der schönsten Hallen der Republik, dem Parktheater in Augsburg-Göggingen. Den Musikern stockte beim Betreten des 125 Jahre alten Kurhaustheaters regelrecht der Atem. Kameras wurden gezückt und Instrumente sofort ausgepackt um die Akustik zu testen. Im Publikum saßen abends dann sogar einige Mitglieder der deutschen Bluegrass Musik Organisation “GBMA”, deren strenges Auge über den Bluegrassgehalt des Programms wachte. Das Abendessen im Restaurant verpassten wir leider, also blieb nur der Pizzaservice (bisher gab es das Notgericht reisender Musiker ja auf dieser Tour noch nie). Allerdings ist Augsburg keine Ruhmesblatt der Pizzaversorgung, gerade noch ein einziger Pizzaservice war in der Lage um 23:30 Essen (dann nach über 40 Minuten Wartezeit um 0:30) auszuliefern. Mit dem Eintreffen von Servais Haanen am Abend als CD Stand-Betreuer war die Tour Crew komplettiert.

Parktheater Augsburg
Sprendlingen bei Frankfurt war das Ziel am Dienstag Morgen, das wir ohne nennenswerten Stress erreichten. Veranstalter Wolfgang Barth outete sich als Bluegrass Kenner, hatte er doch vor 35 Jahren den Vater der Bluegrass Music, Bill Monroe, bei einem der extrem raren Auftritte in Deutschland erlebt. Personal,Technik und Saal waren wunderbar, dazu das bisher bei weitem gelobteste Essen der Tournee, gekocht von echten Künstlern an Pfanne und Herd. Diese Einstimmung und das aufmerksame, aktive Publikum trieben die Musiker von Beginn an zu Höchstleistungen, die Pause war viel kurz für den vielen Small Talk, die zweite Hälfte samt der Finale-Session war wild und die “Nachbesprechung” am Konferenz-Tresen der Hotelbar ging noch lange…ein guter Start ins Tourteam auch für Gerda unsere zweite Fahrerin, die ihrem Mann Dieter für zwei Tage das Steuer aus der Hand nimmt, damit er auf seine Ruhezeiten kommt.

Wer will schon andauernd im Bus sitzen...
Amerika in München
07. Dezember 2010München…oder “Munich”, wie die Amerikaner sich vor Umlaut und kehligem “ch” drücken, war mit großen Erwartungen verknüpft. Die europaerfahrenen Veteranen der Tour hatten den anderen schon vom sagenhaften Bier erzählt, von Lederhosen, Blasmusik und diesem großartigen Essen mit enormen Fleischportionen. Es ging also kein Weg am Hofbräuhaus vorbei. Da war auch frühes Aufstehen kein Problem. Busfahrer Dieter riskierte Kopf und Kragen um unseren Riesenbus so nahe wie möglich an die Kultstätte heranzuführen. Fürs Essen reichte es dann zeitlich nicht mehr, aber da Bier in Bayern ja eh als Nahrungsmittel gilt, stapften alle gut gelaunt und gesättigt durch den Münchener Schneematsch zum Bus zurück.
Der nächste Level der Begeisterung wurde mit dem Hotel Mariandl erreicht. Im Erdgeschoss ein Look wie im Wiener Kaffeehaus der 20er Jahre und dazu die herrlichen romantischen Zimmer, für eine irreale Zeitreise bestens mit stilistischen Pretiosen ausgestattet.
Der Abend dann im Amerikahaus, ein unter Denkmalschutz stehender ehemaliger Kinosaal, beeindruckend, aber nicht ganz ideal was Garderoben und Backstage anbelangt. Aber niemand liess sich davon die Stimmung verderben, zumal Mitveranstalter Ivi Vukelic schon bei Ankunft seiner Leidenschaft als Koch nachging und die Düfte des Abendessens das Haus erfüllten. Pünktlich um sieben stimmten im Foyer die Munich Mountain Ramblers die ersten Gäste auf das Programm ein.
Zoe Kusmierz, Nina Gartz und Thomas Schaller vom Amerikahaus und Generalkonsulat sowie Tobi von den Club2 Konzerten als Veranstalter waren um alles außerordentlich bemüht und die Stimmung war trotz der vielen “Persönlichkeiten” angenehm locker, Bluegrass öffnet eben die Herzen. Dank vieler englischkundiger Besucher im Publikum war die Show sprachlich deutlich mutiger, besonders Tom Adams lief zur Hochform auf. Beim gemeinsamen Festival Finale stieg schließlich zur Überraschung Generalkonsul Tribble samt Gitarre auf die Bühne und begeisterte mit einer improvisierten Strophe zu “Will the Circle be Unbroken”, in der tatsächlich das Wort “Wikileaks” unterbrachte.
Unbedingt erwähnenswert das überaus schmackhafte Curry das uns Chefkoch Ivi zubereitete, niemand verlangte danach noch nach der obligatorischen Münchener Schweinshaxe. Rechtzeitig zurück im Hotel wurde pünktlich um Mitternachtein mehrstimmiges bluegrassiges Happy Birthday für Tonzauberer Werner angestimmt, die Jägermeister-Runde wurde allerdings mangels Masse verschoben…

Dunkel oder Hell..im Hofbräuhaus schmeckt jedes Bier